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    VVF-zu-VCF-Übergang: Was er für VMware-Kunden bedeutet

    7. November 2025
    8 Min. Lesezeit

    Wer zu tief im Ökosystem eines Anbieters steckt, kennt eine bestimmte Art von Beklemmung. Sie haben Jahre damit verbracht, Stabilität aufzubauen: virtuelle Cluster, die vor sich hin summen, HA und DRS, die wie ein Uhrwerk laufen, und als größtes Kopfzerbrechen der gelegentliche vCenter-Hänger. Sie kennen Ihr Setup in- und auswendig.

    Dann dreht sich eines Morgens jedes Gespräch in Ihren Fachkreisen um dasselbe Thema. VCF sei die Zukunft, VVF verschwinde, Broadcom habe gesprochen. Und plötzlich fühlt sich Ihre virtuelle Infrastruktur weniger wie ein sorgfältig abgestimmtes Rechenzentrum an als wie eine Geiselnahme.

    VMware VVF is DEAD: Broadcom’s VCF Lock-In & Your 3 Best Alternatives (Proxmox, Nutanix, Hyper-V)

    Die Einfachheit, die funktionierte

    Lange war vSphere Foundation (VVF) der ideale Mittelweg. Kleine bis mittelgroße Organisationen, Universitäten, Non-Profits und regionale Unternehmen bekamen damit die Enterprise-tauglichen Features, die sie tatsächlich brauchten, ohne in unnötige Komplexität gezwungen zu werden.

    VVF hieß Cluster mit vDS, DRS, HA und Standard-Storage wie iSCSI oder Fibre Channel. Das war sauber, vertraut und stabil. Kein NSX, kein vSAN, keine aufgezwungene Roadmap zur „Cloud-Transformation", nur Virtualisierung, die funktionierte.

    Broadcom hat seine Haltung aber unmissverständlich klargemacht: VMware Cloud Foundation (VCF) ist das Produkt der Zukunft, alles andere gilt als Legacy.

    Aus Broadcoms Sicht ist das logisch. VCF ist ein integrierter Stack, der Compute, Storage, Networking und Management-Tools in einem kohärenten System bündelt. Nur braucht nicht jeder so viel Integration, und nicht jeder kann sie sich leisten.

    Für kleinere IT-Teams, besonders im Bildungs- oder öffentlichen Sektor, lag der Reiz von vSphere gerade in seiner modularen Einfachheit. Jetzt hören sie, dass dieses Modell nicht mehr zur Zukunft des Unternehmens passt.

    Die Wirtschaftlichkeit: „Wir haben 400.000 $ für fünf Jahre gezahlt, und sie wollen uns immer noch nicht."

    In IT-Kreisen macht gerade die Geschichte einer akademischen Einrichtung die Runde, die kürzlich ihre VVF-Lizenzierung verlängert hat. Die Verlängerung kostete fast 400.000 $ für fünf Jahre. Für die entsprechenden Enterprise-Plus-Lizenzen hatte dieselbe Organisation zuvor eher 70.000 $ gezahlt.

    Der Grund ist schnell erklärt. Broadcoms Lizenzüberarbeitung hat die Rabatte und die Flexibilität gestrichen, die VMware früher auch für Kunden außerhalb großer Konzerne bezahlbar machten. Preisstufen für Bildung, Non-Profits und Kleinunternehmen wurden gekürzt oder ganz entfernt und durch das All-inclusive-Modell von VCF ersetzt.

    Schlimmer noch: Dieses Modell zwingt Kunden, für Komponenten wie NSX und vSAN zu bezahlen, ob sie sie nutzen oder nicht. Ein Team mit einfachem iSCSI-Storage zahlt plötzlich für einen Hyperconverged-Lizenzstack, den es nie einsetzen wird.

    Vergleich des VVF Setups mit einfachem Storage ohne NSX und vSAN mit dem VCF Bundle, das beides berechnet und bei einer Verlängerung fast 400.000 $ für fünf Jahre kostete.

    Die Richtung ist eindeutig. Der neue Eigentümer von VMware will keine Kunden mehr, die nur einen Hypervisor brauchen, er will Kunden, die sich in ein ganzes Ökosystem einkaufen.

    Das Broadcom-Playbook

    Wer verstehen will, was hier passiert, sollte sich Broadcoms Geschichte ansehen. Das Unternehmen macht das nicht zum ersten Mal. Jede größere Übernahme, ob CA Technologies, Symantec Enterprise oder jetzt VMware, folgt demselben Muster: Die Produktpalette wird vereinfacht, niedermargige Kundensegmente fallen weg, abo-basierte, hochpreisige Bundles werden gepusht, und der Fokus liegt ganz auf großen Enterprise-Kunden.

    VVF wird in diesem Sinne weniger „eingestellt" als in ein Geschäftsmodell aufgesogen, in dem Flexibilität keinen Platz hat. Broadcoms Führung hat offen gesagt, dass sie „das ganze Auto verkaufen wollen, nicht die Einzelteile."

    Für große Unternehmen, die sich das leisten können, mag das in Ordnung sein. Für kleine bis mittelgroße Organisationen, vor allem solche, die ihre Infrastruktur um klassisches vSphere herum gebaut haben, ist es verheerend.

    Technische Kompromisse: vSAN vs. SAN, VCF vs. „einfach vSphere"

    Die technische Debatte, die daraus entstanden ist, dreht sich um mehr als den Preis, sie ist fast schon philosophisch.

    Manche Administratoren halten hyperkonvergente Infrastruktur (HCI) für durchaus sinnvoll. Ein vSAN-basiertes Deployment, eng mit VCF integriert, bietet Einfachheit und Skalierbarkeit aus einem Guss. Andere sehen darin unnötigen Lock-in, der einen zwingt, perfekt funktionierendes externes Storage durch softwaredefinierte Alternativen zu ersetzen, die man gar nicht braucht.

    Organisationen mit etablierten SAN-Umgebungen schätzen zum Beispiel ihre Flexibilität. Sie können Anbieter mischen, Storage unabhängig skalieren und müssen Storage-Erneuerungen nicht an Compute-Hardware koppeln. HCI-Modelle wie VCF binden Storage an Compute. Auf dem Papier ist das bequem, es nimmt aber eine Unabhängigkeit, auf die viele IT-Teams angewiesen sind.

    vSAN und NSX sind keineswegs schlechte Technologien, im Gegenteil, es sind mächtige Werkzeuge. Das Problem ist, dass sie jetzt Pflicht sind und in der Lizenzierung stecken, ob sie zum Design oder Budget der Organisation passen oder nicht.

    Die Alternativen: Was kommt als Nächstes?

    Weil VVF ausläuft und VCF die Roadmap bestimmt, müssen sich IT-Teams nach Alternativen umsehen, viele zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt. Diese Kandidaten werden gerade branchenweit am häufigsten evaluiert.

    Vier Auswege aus VMware, die gerade geprüft werden, nämlich Proxmox VE, Nutanix, Microsoft und die Public Cloud, jeweils mit ihren Stärken und ihrem Haken.

    Proxmox VE

    Der KVM-basierte Open-Source-Hypervisor wird für kleinere Rechenzentren schnell zur ersten Wahl. Er ist kostenlos und stabil und bietet Clustering, High Availability und sogar softwaredefiniertes Storage mit Ceph.

    Für ihn sprechen minimale Lizenzkosten, eine starke Community mit schneller Entwicklung und flexible Storage-Backends (ZFS, NFS, iSCSI). Dagegen stehen begrenzter Enterprise-Support, fehlende fortgeschrittene Ressourcenmanagement-Features, wie vSphere sie hat, und Migrations-Tools, die zwar besser werden, aber noch recht einfach sind.

    Für Labore, Bildungsumgebungen und kleinere IT-Shops wird Proxmox zum „Linux der Virtualisierung": schnell, anpassungsfähig und von der Community getragen.

    Nutanix

    Nutanix war einmal ein direkter Konkurrent von VMware und entwickelt sich jetzt zu einem möglichen Nachfolger. Der Hypervisor AHV bietet dieselbe hyperkonvergente Erfahrung, die VMware pusht, allerdings mit transparenterer Lizenzierung und einem Kundensupport, der kleinere Unternehmen weiterhin ernst nimmt.

    Positiv sind die starke Management-Oberfläche, die integrierte HCI-Plattform mit einfacherem Deployment sowie zugänglichere Preise und Support-Optionen. Negativ bleiben das proprietäre Ökosystem und die im Vergleich zu VMware begrenzte Integration von Drittanbietern.

    In vieler Hinsicht wird Nutanix zu dem, was VMware einmal war, eine Mischung aus Flexibilität, Leistung und Kundennähe.

    Microsoft Hyper-V / Azure Stack HCI

    Für Organisationen, die stark in Windows-Infrastruktur investiert haben, bleibt Hyper-V der naheliegendste Wechsel. Es fügt sich in bestehende Active-Directory- und System-Center-Umgebungen ein und bietet über Azure einen natürlichen Einstieg in Hybrid-Cloud-Deployments.

    Dafür sprechen das vertraute Management für Windows-zentrierte Teams, die Azure-Hybrid-Integrationen für Cloud-Erweiterungen und eine konsistente Lizenzierung mit entsprechendem Support. Dagegen spricht, dass Feature-Set und Performance in manchen Bereichen hinter VMware zurückbleiben und sich das Management weniger elegant anfühlt als vCenter.

    Glamourös ist das nicht, aber stabil, und für viele Unternehmen reicht das.

    Die Cloud-Versuchung

    Für größere Workloads wird die Public Cloud wieder als Fluchtweg angeboten. AWS, Azure und Google Cloud locken mit aggressiven Migrationsguthaben, rabattierten Instanzen und sogar VMware-kompatiblen Services, auf denen virtuelle Maschinen nativ in der Cloud laufen.

    Langfristig geht die Rechnung aber nicht immer auf. Cloud-Migrationen wirken im ersten Jahr günstig und werden oft deutlich teurer, sobald sich Data-Egress-Gebühren und Storage-Kosten summieren. Latenz, Compliance und architektonische Einschränkungen machen „Lift and Shift" außerdem viel komplizierter, als es auf dem Papier aussieht.

    Die Cloud ist also eine verlockende kurzfristige Lösung, aber kein Allheilmittel.

    Die emotionale Unterströmung

    Unter all der technischen Analyse und Kostenmodellierung hat dieser Übergang auch eine emotionale Seite.

    VMware war jahrelang das Fundament unzähliger IT-Umgebungen, vertrauenswürdig, vorhersehbar und breit unterstützt. IT-Profis haben ihre Expertise, Zertifizierungen und Workflows darauf aufgebaut. Es gab ein Gefühl von Partnerschaft, den Eindruck, dass VMware verstand, was seine Nutzer brauchten, und sie dort abholte, wo sie standen.

    Davon ist nichts mehr übrig. Kleinere Organisationen hören jetzt ausdrücklich, dass sie nicht mehr die Zielgruppe sind. Das Unternehmen, das sie einmal als Verbündeten in ihrer digitalen Transformation sahen, bewacht heute vor allem seinen eigenen ummauerten Garten.

    Was als Nächstes passiert

    Technisch gibt es VVF noch, und manchen Kunden werden einjährige Verlängerungen angeboten. Machen Sie sich aber nichts vor, das ist eine Übergangsphase und kein stabiler Zustand. In den nächsten 12 bis 18 Monaten wird VVF wahrscheinlich ganz eingestellt, und VCF bleibt als einziger offiziell unterstützter Weg.

    Wer heute noch VVF betreibt, sollte das als Gnadenfrist sehen und nicht als langfristige Strategie. Fangen Sie jetzt an, Migrationspfade zu evaluieren. Bauen Sie kleine Pilotprojekte mit Proxmox oder Nutanix, um Performance und Management-Workflows zu testen. Beziffern Sie Ihre tatsächliche VMware-Nutzung, denn womöglich zahlen Sie für weit mehr, als Sie brauchen. Und planen Sie die Jahre 2025 bis 2026 als mögliches Migrationsfenster ein.

    Die Teams, die jetzt experimentieren, sind am besten vorbereitet, wenn die nächste Verlängerung die Entscheidung erzwingt.

    Abschließender Gedanke

    Das Ganze hat eine gewisse Ironie. VMware hat zwei Jahrzehnte lang geholfen, dem Hardware-Lock-in zu entkommen, und IT-Teams die Möglichkeit gegeben, ihre Umgebungen mit bis dahin unbekannter Flexibilität zu abstrahieren, zu virtualisieren und zu kontrollieren. Unter Broadcom ist genau diese Software zum neuen Lock-in geworden.

    Die Mauern sind höher, die Kosten steiler und die Auswahl enger. Der Antrieb, der Virtualisierung überhaupt erst so umwälzend gemacht hat, also der Wunsch nach Unabhängigkeit, Effizienz und Kontrolle, verschwindet deshalb aber nicht. Er sucht sich nur eine neue Plattform, auf der er laufen kann.