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    Proxmox
    VMware
    Migration

    Der VMware-Ausstieg füllt sich: Warum Unternehmen Proxmox prüfen

    5. März 2026
    8 Min. Lesezeit

    Ein kleines Event mit großer Signalwirkung

    Manchmal zeigen sich die größten Veränderungen einer Branche in unscheinbaren, fast beiläufigen Ankündigungen.

    Ein Systemadministrator berichtete kürzlich, wie er die Infrastruktur seines Unternehmens von VMware mit angebundenem SAN auf einen neuen Stack aus Proxmox und Ceph migriert hat. Nun spricht er auf einer kleinen Veranstaltung in Belgien darüber, wie dieser Wechsel in der Praxis ablief. Das Treffen ist für den 23. April 2026 am Thomas More Campus in Geel geplant, organisiert mit Unterstützung von Linux Belgium und der Mind-Community, um Unternehmen bei der Evaluation von VMware-Alternativen zu unterstützen.

    Die Proxmox-SAN-Falle: Warum Ihre VMware-Migration scheitern könnte

    Auf den ersten Blick handelt es sich um ein gewöhnliches Community-Meetup: drei Stunden Zeit, technische Vorträge, eine Fragerunde und Snacks im Anschluss. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch deutlich, was sich derzeit im Virtualisierungsmarkt vollzieht. Eine wachsende Zahl von Organisationen hat die Phase des unverbindlichen Interesses an Alternativen hinter sich gelassen und vollzieht den Wechsel aktiv. Entsprechend offener werden die praktischen Erfahrungen diskutiert.

    Die Agenda, die VMware-Admins wirklich interessiert

    Nicht nur das Thema an sich macht die Veranstaltung bemerkenswert, sondern auch der Aufbau des Vortrags. Statt der üblichen marketinglastigen Präsentationen über digitale Transformation oder allgemeine Cloud-Strategien steht der konkrete Betrieb im Mittelpunkt. Die Referenten konzentrieren sich auf drei Kernbereiche: warum Unternehmen ihre Virtualisierungsplattformen neu bewerten, wie Proxmox im direkten Vergleich zu vSphere funktioniert und wie ein realer Migrationsfall von VMware mit SAN-Storage zu Proxmox mit Ceph ablief.

    Gerade der letzte Aspekt bietet den größten praktischen Nutzen. Wer jemals eine Infrastruktur migriert hat, weiß, dass offizielle Anleitungen die schwierigen Phasen selten abbilden: unerwartete Fehler, architektonische Hürden und Momente, in denen sich ein am Reißbrett perfektes Konzept im Produktivbetrieb anders verhält als gedacht.

    Einer der Organisatoren beschrieb den Vortrag schlicht als Überblick über Architektur und gewonnene Erkenntnisse, mit handfesten Details statt Folienschlachten und Marketing-Floskeln. Für viele VMware-Administratoren, die gegenwärtig Alternativen prüfen, sind genau das die entscheidenden Informationen.

    Der Auslöser: Broadcoms Umbau von VMware

    Den Hintergrund dieser Entwicklung bildet die Übernahme von VMware durch Broadcom.

    Über Jahre hinweg dominierte VMware die Enterprise-Virtualisierung mit einem Ökosystem, das als stabil, vorhersehbar und fest im Unternehmensalltag verankert galt. Selbst Organisationen, die Alternativen prüften, blieben meist bei VMware, weil die Wechselkosten hoch waren und das Migrationsrisiko noch schwerer wog.

    Broadcoms Neuausrichtung veränderte diese Abwägung grundlegend. Lizenzmodelle wurden umgestellt und Produktpakete neu geschnürt. Manche Unternehmen sahen sich mit drastischen Preissteigerungen konfrontiert, während andere feststellten, dass gewohnte Produkte zusammengelegt oder anders positioniert wurden. Aus der theoretischen Frage, ob man eines Tages migrieren sollte, wurde plötzlich die dringende Notwendigkeit, die Plattform zeitnah auf den Prüfstand zu stellen.

    Das Ergebnis ist eine spürbare Zunahme von Pilotprojekten in der gesamten Branche. Hyper-V, Nutanix, OpenStack, KVM-basierte Plattformen und vor allem Proxmox stehen in einem Maße zur Diskussion wie selten zuvor. In vielen Betrieben wird dieses Thema inzwischen auf Managementebene und nicht mehr nur im Serverraum verhandelt.

    Before and after diagram showing how Broadcom licensing changes turned should we migrate from VMware someday into do we need to rethink this right now.

    Warum Proxmox in diesen Diskussionen auftaucht

    Proxmox existiert seit vielen Jahren, fand seinen Platz in der Vergangenheit jedoch eher in Homelabs, kleineren Setups und Open-Source-orientierten Organisationen als in klassischen Konzernumgebungen. Diese Wahrnehmung wandelt sich zusehends.

    Die Plattform bündelt mehrere Komponenten, die im Enterprise-Umfeld typischerweise getrennt bereitgestellt werden: eine Virtualisierungsschicht auf Basis von KVM, Container-Unterstützung über LXC, integriertes Clustering, eigene Backup-Werkzeuge und eine enge Anbindung an Ceph für verteilten Speicher. Für Unternehmen, die bislang VMware in Kombination mit einer externen SAN-Infrastruktur betreiben, ist der Gedanke reizvoll, mehrere Schichten in einer einzigen Plattform zusammenzuführen.

    Im Praxisbeispiel des belgischen Events vollzog sich genau dieser Schritt: Die Umgebung wechselte von VMware mit SAN-Backend zu Proxmox mit Ceph als verteiltem Speicher. Ein solcher Schritt betrifft weit mehr als nur den Hypervisor. Er verändert die Art und Weise, wie Speicher, Redundanz und Skalierung im gesamten Cluster organisiert sind. Für viele Betriebe stellt diese Neukonzeption die größte Herausforderung beim Abschied von VMware dar.

    Die Migrationsfrage, die alle beschäftigt

    Die größte Sorge beim Ausstieg aus VMware gilt oft nicht der Technik an sich, sondern möglichen Ausfallzeiten. Migrationsprojekte umfassen häufig Dutzende oder Hunderte virtueller Maschinen, Terabytes an Speichervolumen und Fachanwendungen, auf die Abteilungen täglich angewiesen sind. Diese Systeme sicher zu überführen, verlangt präzise Planung.

    Der angekündigte Vortrag widmet sich gezielt der Planung von Wartungsfenstern, den Vor- und Nachteilen verschiedener Speicheransätze und den Unterschieden im laufenden Betrieb, also genau jenen Punkten, an denen Migrationen in der Praxis anspruchsvoll werden.

    SAN-basierte Architekturen unterscheiden sich grundlegend von verteilten Systemen wie Ceph. Im SAN ist der Speicher zentralisiert und meist hochgradig optimiert. Ceph verteilt Daten dagegen über mehrere Knoten hinweg und nutzt Replikation sowie Clusterlogik zur Ausfallsicherung. Der Gewinn liegt in Flexibilität und horizontaler Skalierbarkeit, während der Aufbau des Speicherlayouts im Gegenzug sorgfältig durchdacht werden muss.

    Administratoren, die diesen Schritt bereits gegangen sind, beschreiben die Erfahrung oft als befreiend und fordernd zugleich. Man gewinnt enorme Kontrolle zurück, übernimmt aber auch mehr Verantwortung für den Entwurf der Basisinfrastruktur.

    Diagram comparing a VMware SAN with centralized storage to Proxmox with Ceph spreading data across nodes during a VMware migration.

    Nicht alle sind überzeugt

    Trotz des wachsenden Interesses an Alternativen blicken viele Ingenieure weiterhin skeptisch auf groß angelegte VMware-Migrationen.

    Eine Gruppe verweist darauf, dass VMware nach wie vor das ausgereifteste Ökosystem für Enterprise-Virtualisierung bietet. Funktionen wie vMotion, Distributed Virtual Switching, ausgereiftes Lifecycle Management und Schnittstellen zu Drittherstellern wurden über viele Jahre verfeinert. Aus dieser Sicht birgt der Ersatz von VMware durch eine jüngere oder weniger auf Konzerne ausgerichtete Plattform Risiken, die man nicht unterschätzen sollte.

    Andere betrachten die Lage pragmatischer: Migrationen seien vor allem für Organisationen mit starker interner Infrastrukturkompetenz sinnvoll. Fehlen im Unternehmen Fachkräfte, die verteilten Speicher, Netzwerkdesign und Open-Source-Tools souverän beherrschen, kann der Plattformwechsel spürbare Hürden im Betrieb schaffen.

    Zudem gewinnt ein dritter Ansatz an Bedeutung: hybride Strategien. Manche Unternehmen migrieren gezielt Teilbereiche ihrer Workloads weg von VMware, während besonders kritische Altsysteme vorerst auf der Plattform verbleiben. Dieser Weg reduziert die Lizenzkostenbelastung, ohne direkt den Umbau der gesamten Infrastruktur zu erzwingen. Die Branche bewegt sich somit nicht einheitlich in eine Richtung, sondern fächert sich auf.

    Die Community-Seite moderner Infrastruktur

    Abseits der rein technischen Inhalte verdeutlicht das Treffen in Belgien auch den wachsenden Stellenwert des fachlichen Austauschs auf Community-Ebene. Jahrelang war die Virtualisierungswelt von Herstellerkonferenzen und kommerziellen Schulungen geprägt. Heute verbreitet sich praxisrelevantes Wissen verstärkt über Treffen, Foren und den direkten Erfahrungsaustausch untereinander.

    Die Teilnehmer der Veranstaltung erhalten Einblicke in Architekturentscheidungen, Unterschiede im Betrieb und veränderte Kostenstrukturen nach der Broadcom-Übernahme, gefolgt von einer offenen Fragerunde. Dieses Format hebt sich wohltuend von standardisierten Herstellerpräsentationen ab. Hier stellen Kollegen jene Fragen, auf die es in der Praxis ankommt: Was funktionierte bei der Migration nicht, wie lange dauerten die Ausfallzeiten wirklich und welche Designentscheidungen würde man rückblickend anders treffen? Häufig liefern diese Antworten mehr Orientierung als jedes Handbuch.

    Internationales Interesse an VMware-Alternativen

    Das Interesse an der Veranstaltung reicht über Belgien hinaus. In Diskussionsbeiträgen wurde nach Live-Streams oder Aufzeichnungen gefragt, um die Vorträge aus der Ferne verfolgen zu können. Andere meldeten sich direkt an, weil die Thematik europaweit an Dringlichkeit gewinnt. Die Veranstalter stellten in Aussicht, die Vorträge nach Möglichkeit aufzuzeichnen, wollten dies jedoch nicht verbindlich zusagen.

    Diese Aufmerksamkeit zeigt deutlich, wo die Branche derzeit steht. Über viele Jahre waren VMware-Migrationen die Ausnahme. Die meisten Unternehmen aktualisierten ihre Cluster, verlängerten die Verträge und hielten am Status quo fest. Inzwischen prüfen Teams allerorten, wie ein Ausstieg konkret aussehen könnte, und treffen auf Kollegen, die diese Erfahrungen bereits teilen können.

    Ein Wandel, der erst am Anfang steht

    Es wäre verfrüht, von einer flächendeckenden Abwanderung von VMware zu sprechen. Die Plattform ist in Tausenden Unternehmen tief verwurzelt und gehört technologisch weiterhin zur Spitze der Enterprise-Virtualisierung. Viele Betriebe werden dort bleiben, weil Kosten und Risiken eines Wechsels die möglichen Vorteile übersteigen.

    Die Rahmenbedingungen haben sich jedoch verschoben. Immer mehr Administratoren erproben Alternativen, richten Test-Cluster ein und stellen Grundsatzfragen, die jahrelang keine Rolle spielten. Veranstaltungen wie jene in Belgien mögen im kleinen Rahmen beginnen, sind aber Ausdruck einer breiteren Bewegung, die sich von ersten Überlegungen zu handfesten Migrationsprojekten entwickelt.